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Nach vier Cuprunden und 13 NLA-Spieltagen zieht Eric Sévérac eine erste Bilanz. Auch wenn er ob des ersten Tabellenplatzes zufrieden ist, hat der Trainer weiterhin hohe Ansprüche für die Rückrunde.


Wahrscheinlich hätten Sie sofort unterschrieben, wenn man Ihnen im Sommer gesagt hätte, dass Sie zur Saisonhälfte eine solche Bilanz aufgewiesen hätten?

Ja. Wir hofften darauf, auf dem Podest, also unter den ersten drei, zu stehen. Erster zu sein ist besser als geplant, aber wir haben nur die erste Hälfte bestritten. Nun werden wir hart arbeiten, um zu versuchen, im Mai weiterhin Leader zu sein.

Könnte man sagen, dass die Auftaktniederlage gegen YB (0-1) die letzte Lehre der Sommervorbereitung war?

Es war ein sehr wichtiger Moment dieser Saison, der aufzeigte, dass Einzelnamen – und an jenem Tag waren alle Zuzüge und alle besten Spielerinnen im Aufgebot – nicht unbedingt eine gute Mannschaft ausmachen. Wir hatten daran gearbeitet und dieses verlorene Spiel veranschaulichte unsere Worte. In den Wochen danach arbeiteten wir noch mehr daran, nicht um individuell gut zu sein, sondern als Kollektiv. Wir haben intelligente Spielerinnen, die wir in Bezug auf solche Qualitäten ausgewählt hatten, denn sie ziehen ein kollektives Resultat der individuellen Performance vor.   

Deswegen sind die Spielerinnen, welche die Mannschaft am Besten spielen lassen, nicht unbedingt die talentiertesten?

Die Spielerinnen hoher Qualität, die wir haben, werden nie allein den Unterschied ausmachen. Nur als Mannschaft können wir den Unterschied ausmachen und das haben wir am letzten Spieltag in Basel gesehen. Es gewinnt keine allein, es gewinnt das Kollektiv. Manchmal können Einzelne ein Spiel positiv entscheiden, aber um eine Meisterschaft zu gewinnen, braucht man das Kollektiv. Und dieses Kollektiv findet sich allmählich. Wir sind noch weit von der Perfektion entfernt und das ist gut, denn wir haben noch ein grosses Verbesserungspotenzial, auch wenn wir auf dem ersten Tabellenplatz stehen, und die Spielerinnen sind es sich bewusst.

Wo liegt denn das Verbesserungspotenzial? In der Art und Weise oder denken Sie, dass es möglich ist, resultatmässig noch besser zu werden?

Die Automatismen, die Reflexe, die Art und Weise, wie man zwischen zwei Systemen switchen kann, wie man die Qualitäten und die Schwächen Jeder kennt, es sind alles Dinge, die allmählich kommen werden. Eigentlich weiss man, dass Maeva [Sarrasin] schnell ist, man weiss, dass Valérie [Gillioz] im Mittelfeld zweikampfstark ist, und das ist gut, dass man es weiss, aber dann sollte man wissen, wie man diese Qualitäten am Besten zur Geltung bringt. Es geht darum, dass sich die Spielerinnen immer besser kennenlernen und dass sie lernen, die Qualitäten und Schwächen der anderen aufzuwerten. In diesem Sinne war das erste Spiel gegen YB gut, denn wir bemerkten, dass es kompliziert wird, wenn wir nicht die Qualitäten jeder Einzelnen zur Geltung bringen.  

Vor der Saison munkelte man, dass Servette die zu schlagende Mannschaft gewesen wäre. Wird es in der Rückrunde noch komplizierter?

Es wird noch schlimmer sein. Sieben Mannschaften werden gegen uns Vollgas geben, während Zürich vielleicht weniger Druck haben wird, deswegen müssen wir noch leistungsfähiger sein. Wir dürfen kein Tief haben. Und wir müssen nicht damit rechnen, dass die anderen Mannschaften gegen Zürich punkten. Wir haben alles in den eigenen Händen, das ist gut so, und wir müssen 15 perfekte Spiele bestreiten.

Servette hat bei Weitem die beste Abwehr der Meisterschaft, allerdings «nur» den dritten Angriff. Bereitet Ihnen diese Tatsache Sorge oder ist sie unbedeutend?

Dass wir mit einer Dreier-Abwehr nur elf Tore in 17 Spielen kassierten, wenn man die Cupspiele dazuzählt, stimmt mich zufrieden. Der drittbeste Angriff ist ein bisschen subjektiv, da Lugano Kanterniederlagen erlitt. Wenn man die Resultate gegen Lugano nicht mitzählen würde, würden wir wahrscheinlich den besten Angriff aufweisen oder wir wären den Ersten näher. Allerdings keine Sorge, was dies angeht.  

Welchen Blick werfen Sie auf die Sommerzuzüge?

Dass wir Spielerinnen holten, die ein gemeinsames Interesse und Verständnis haben oder die bereits in der Region gespielt hatten, sowie dass wir gute Resultate erzielten, führt in der Endrechnung dazu, dass alles gut läuft. Wir müssen selbstverständlich weiterarbeiten, um die Integration zu perfektionieren. Wir hatten die Spielerinnen in dieser Hinsicht gewählt. Letzte Saison hatten wir zwei Kolumbianerinnen, die zwar individuelle Qualitäten hatten, aber eine Gruppe aus dem Gleichgewicht bringen konnten, weil sie eine andere Mentalität und unterschiedliche Erwartungen hatten. Diese Saison wussten wir, wo wir hingehen, weil wir Spielerinnen aus der nahen Umgebung holten.  

Welche war die beste Halbzeit der Servettiennes Ihrer Meinung nach?

Die erste Halbzeit zu Hause gegen Zürich [3-2] war ausgezeichnet. Und die zweite Halbzeit in Luzern auch [2-4-Sieg nach zweimaligem Rückstand]. Im ersten Spiel gegen Zürich zeigten wir eine Stunde lang, dass wir schön spielen und Tore erzielen können, während das Rückspiel in Zürich [1-5-Sieg] aufzeigte, dass wir anders spielen können und trotzdem sehr, sehr leistungsfähig sind. Die erste Begegnung zeigte, dass wir fähig sind, Fussball zu spielen, die zweite, dass wir Charakter haben.

Welches ist Ihr Lieblingstor der Saison?

Das dritte gegen Basel. Da gab es Automatismen, Qualitäten, Geduld, alles, was wir von den Spielerinnen verlangen. Fünf Spielerinnen berühren den Ball, aber acht sind an der Aktion beteiligt. Acht von elf, das ist einfach top.

Gibt es ein anderes Ereignis, welches Sie und die Mannschaft prägte?

Ein Ereignis, welches die Mannschaft meiner Meinung nach zusammenschweisste, war das Spiel in Luzern, weil wir zur Halbzeit im Rückstand lagen. Wir spielten gut, aber Luzern führte, und wir zeigten eine Reaktion, die für diese Gruppe spricht. Ohne Aufregung lieferten wir eine Leistung, die zeigte, dass wir die Qualitäten haben, um uns durchzusetzen. Das war ein Referenzspiel, was dies anbelangt.

Wie wird die Vorbereitung, die am Montag anfängt, in groben Zügen aussehen?

Wir werden die Mannschaft athletisch wieder in Gang bringen. Wir werden an den Automatismen und an der Fähigkeit, sich 17 Cupspiele vorzustellen, arbeiten. In jedem Spiel werden wir auf einen Gegner treffen, der uns in Schwierigkeiten wird bringen wollen und gegen uns wird punkten wollen, deswegen müssen wir bereit sein, in jedem Spiel Tore zu erzielen und das Resultat zu verwalten.